Ludwig Soumagne


Ludwig Soumagne

Ein persönlicher Nachruf

Landrat Dieter Patt zum Tod von Ludwig Soumagne

1966 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband, seither avancierte er landauf, landab zum wohl bedeutendsten rheinischen Mundartdichter. Dem Rhein-Kreis Neuss war er besonders eng verbunden.
Seit der Gründung im Jahr 1989 trägt das Internationale Mundartarchiv des Rhein-Kreises stolz seinen Namen: Ludwig Soumagne. In einem persönlichen Nachruf erinnert Landrat Dieter Patt an den im
Alter von 76 Jahren gestorbenen Dichter und Freund, an Begegnungen und die Zusammenarbeit zwischen Soumagne und dem Rhein-Kreis Neuss:
"Meine Freundschaft mit Ludwig Soumagne reicht bis in die 70-er Jahre zurück. Schon in meiner Zeit bei der Stadt Neuss war Soumagne eine feste kulturelle Größe. Ich kann mich an zahlreiche Lesungen
in Schulen erinnern. Und auch an der Pädagogischen Hochschule Neuss war Soumagne ein gern gesehener Gastdozent. Aus dieser Zeit rührt auch seine Bekanntschaft mit den Germanisten
Prof. Dr. H. Reich und Prof. Dr. Gössmann. Reich wurde zu Soumagnes Biograph, Gössmann holte Soumagne an die Universität Düsseldorf, wo er bis zu seiner Emeritierung lehrte.
Mitte der 80-er Jahre reifte der Plan, im Kreis Neuss ein Mundartarchiv zu gründen, das sich auf den gesamten deutschen Sprachraum beziehen sollte. Was lag da näher als die Zusammenarbeit mit Ludwig Soumagne?
Soumagne war mittlerweile einer der angesehensten deutschsprachigen Mundartautoren. Auf Vorschlag von Heinrich Böll war er Mitglied des deutschen PEN geworden, er war Gründungsmitglied des
Internationalen Dialektinstituts Wien und der am meisten geförderte Autor des Landes Nordrhein-Westfalen. Soumagne sagte sofort zu, die neue Institution nach Kräften zu unterstützen. Darüber hinaus
übereigneten er und seine Frau Margot dem Archiv in der Gründungsphase - sozusagen als Startkapital - die Materialien zu seinem literarischen Schaffen.
Im April 1986 wurde dann das ‚Internationale Mundartarchiv Ludwig Soumagne des Kreises Neuss' als interdisziplinäre Sammel- und Forschungsstelle für deutschsprachige Dialektdichtung gegründet.
Der Kreistag hatte sich einstimmig dafür ausgesprochen, die neue Einrichtung nach Ludwig Soumagne zu benennen, der ihr in der Folgezeit viele wichtige Impulse gab. Er machte das Mundartarchiv mit
den Mitgliedern der "Neuen Deutschen Mundartdichtung" bekannt, förderte Kontakte zu renommierten Wissenschaftlern und warb für das neue Mundartarchiv.
1998 erhielt Soumagne eine Einladung in die USA, als Gastautor an der Deutschen Sommerschule der Universität von New Mexico teilzunehmen. Der Direktor der Deutschen Sommerschule, Prof. Dr. Peter Pabisch,
war Mitherausgeber des Lexikons "Die deutsche Literatur". Aufgrund der Zusammenarbeit von Soumagne und Prof. Pabisch wurde im Internationalen Mundartarchiv eine Redaktionsstelle für das umfassende
Lexikon eingerichtet. Damit begründete Soumagne auch jene erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem Rhein-Kreis Neuss und der Universität von New Mexico, die heute unter der Überschrift "Die Atlantische Brücke"
bekannt ist. Erst vor wenigen Tagen hat Prof. Pabisch dem Internationalen Mundarchiv Ludwig Soumagne einen ersten Teil seiner umfangreichen Bibliothek und Unterlagen seiner wissenschaftlichen Arbeit
überlassen. "Die Atlantische Brücke" hat zu erfolgreichen Austauschprogrammen in den Bereichen berufliche Bildung, Kultur, Sport und Literaturwissenschaft geführt.
Im Rhein-Kreis Neuss werden vor allem die zahlreichen Veröffentlichungen von Soumagne in Erinnerung bleiben, die ihm einen Platz unter den großen Lyrikern unseres Landes sichern. Sein wohl bekanntestes
Gedicht, die Litanei, wurde in mehr als 300 Sprachen und Dialekte übersetzt. Im Rahmen seines Ehrengaststipendiums am der Villa Massimo in Rom hatte Soumagne während einer Privataudienz Gelegenheit,
Papst Johannes Paul II die Litanei in polnischer Sprache zu überreichen. Seit dem Sommer 2002 hängt die Litanei - in der ursprünglichen Fassung sowie in fünf Übersetzungen - im Kreishaus in Neuss.
Ludwig Soumagne hatte seine Arbeit hier anlässlich seines 75. Geburtstages selbst signiert. Neben seinen Gedichten schrieb Soumagne auch hervorragende Hörspiele sowie ein prämiertes Theaterstück.
Mit Soumagne haben die Stadt Neuss und der Rhein-Kreis Neuss eine große Persönlichkeit verloren.
Für mich persönlich war Ludwig Soumagne ein guter Freund, mit dem ich häufig und gerne auch als Künstler zusammengearbeitet habe. Ich bin heute froh, dass ich den Kontakt zwischen Ludwig Soumagne und
der Museumsinsel Hombroich vermitteln konnte, wo er in seiner Dichterklause - die ich künstlerisch mitgestaltet habe -zur festen Institution der Insel geworden war. In seiner Dichterklause hing auch ein Foto
des ehemaligen Oberbürgermeisters Herbert Karrenberg, an den Soumagne und ich uns - wie viele Neusser - gerne erinnert haben. Ich werde - wie viele andere Menschen im Rhein-Kreis Neuss - Ludwig Soumagne vermissen."

Quelle: www.rhein-kreis-neuss.de


Für mich persönlich war Ludwig Soumagne ein guter Freund, mit dem ich häufig und gerne auch als Künstler zusammengearbeitet habe.“ Und auch Ernst Freistühler zeichnete in seiner Rede ein persönliches
Bild von Soumagne als „rheinischen Jung“, der eine bedeutende Persönlichkeit der Stadt Neuss und des Rhein-Kreises Neuss war und bleibt: „(…) Wer Ludwig Soumagne einmal erlebt hat, behielt ihn in Erinnerung,
nicht nur wegen seiner 1,94 m Körpergröße, auch nicht wegen seiner Kleidung, die sein Biograph Hans Reich 1999 einmal ein „demonstratives Armutsgelübde“ genannt hat: schwarzer Rolli,
schwarze Hose, schwarze Schuhe. Er war eine ungewöhnliche Mischung von Nervosität und Konzentration; mit der er niemanden ausließ, den er einmal in ein Gespräch zog (…).“



Hintergrundinformationen zu Ludwig Soumagne:

Am 22. Oktober 2003 starb der Lyriker und Hörspielautor Ludwig Soumagne in seiner Heimatstadt Neuss, wo er am 11. Juni 1927 geboren worden war.

Soumagne war ein Exot im deutschen Literaturbetrieb, denn er dachte und schrieb nicht in der Standardsprache, sondern im Idiom seiner niederrheinischen Heimat.
Und Ludwig Soumagne hatte Erfolg damit. Als einer der wenigen Mundartautoren verschaffte er sich Eingang in die Literaturgeschichten, und er gehörte zu den am meisten geförderten Autoren in Nordrhein- Westfalen.
Bereits zu Lebzeiten hatte der Rhein-Kreis-Neuss ihm ein Denkmal gesetzt und seinem Internationalen Mundartarchiv in Dormagen-Zons den Namenszusatz „Ludwig Soumagne“ gegeben.

Soumagne hat eine lange Liste von Veröffentlichungen hinterlassen. Nachdem er 1994 seine Dichterklause auf der Museumsinsel Hombroich bezogen hatte, erschien auch sein letzter Lyrikband
„Rief für die Insel“(1999), mit dem er explizit zum Ausdruck bringen wollte, was diese Einzimmerbehausung für ihn bedeuten sollte: ein Refugium, wo er sich in Ruhe und Abgeschiedenheit seiner Literatur widmen konnte.
Doch so sehr sich auch die Zeilen dieser Publikation aufgrund ihrer Ambivalenz und ihres schwarzhumorigen Hintersinns einem vorschnellen Konsum verschließen, so klar wurde doch jedem, dass auch die Insel für Soumagne
kein wirkliches Refugium sein konnte. Besucher, die auf Soumagne trafen, führte er gerne in seine Klause und überraschte mit Übersetzungen seiner „Litanei“, aus welchem Teil der Welt seine Gäste auch immer kamen.
Immerhin verfügte Soumagne über weit mehr als 300 veröffentlichte Übertragungen seines genialen Textes in die Sprachen und Mundarten aller Herren Länder.

In guter Erinnerung sind auch Soumagnes Hörspiele. Sein Debüt im Westdeutschen Rundfunk gab er 1977 mit der Hörfolge „Dä Angere“. Im Verbund mit seinem Freund und Förderer, dem Regisseur Manfred Brückner,
entstanden vor allem mit den beiden Hörspielen „et roch schon no Äppel un Nöss“ (1979) und „net jrad e Kengerspill“ (1984) meisterhafte Beispiele der Hörspielkunst. In einem subtilen Spiel mit der Sprache, mit
Redeweisen und Floskeln des Alltags, hinter denen sich stets tragische Momente menschlicher Schicksale verbergen, verlässt Soumagne jede Form von plattem Provinzialismus und verleiht seinen Figuren eine Stimme in
ihrer permanenten Suche nach der Ursache menschlicher Ängste, Schuld, nach
Lebensinhalten und individuellem Glück.

Die meisten Menschen waren fasziniert von der magischen Ausstrahlung des dürren „schwarzen“ Mannes. „Jetzt bloß net de Nerve verliere“ hieß einer von Soumagnes Wahlsprüchen, der gleichsam Titel seines mit dem
Landesbühnenpreis ausgezeichneten Schauspiels war (uraufgeführt im Rheinischen Landestheater Neuss 1990).
Der Stadt und dem Rhein-Kreis Neuss war Soumagne eine schillernde Figur im Kulturleben.



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Ludwig Soumagne war knapp 20 Jahre Hörspiel-Autor für den WDR; er starb jetzt im Alter von 76 Jahren.
Von Manfred Brückner*
„Je mieh mer ungs selver kenneliehre – desto besser künne mer verstonn – waröm mer ungs mötonger selver net mieh kenne.“
Erst auf das Kennenlernen folgt das Erkennen – so könnte man, auf den ersten Blick, diesen im niederrheinischen Dialekt geschriebenen Text interpretieren. Aber je näher man „ihm“ kommt, desto vielschichtiger
wird die Erkenntnis – man zweifelt. „Ich kenne mich selbst nicht mehr wieder“, heißt es dann oft.
Soumagnes liebstes Kind war der Mensch, er war der Mittelpunkt seines Lebens und Schaffens. Dieses „war“ macht alle, die ihn kannten, sehr traurig. Ludwig Soumagne ist nicht mehr.
In seiner Lyrik bringt er nur das Notwendigste zum Ausdruck, jedes Wort ist an seinem Platz. Da gibt es kein Beiwerk, keine erklärenden Wörter, nur eine karge Konstruktion. Der Leser muss diese „Andeutungen“
ergänzen; er muss sich in die Gedankenwelt Soumagnes hineindenken, um sie zu verstehen.
Auch „deinem“ Regisseur gabst du hin und wieder Rätsel auf, die wir aber immer gelöst haben – wie es die vielen Hörspiele beweisen. Und aus diesem beruflichen Miteinander wurde eine Freundschaft, die mich immer begleiten wird.
Aus der Feder von Karl-Jürgen Miesen, Feuilletonredakteur der Rheinischen Post, nun noch ein Stück Chronik, geschrieben im Jahre 1992:
„Ludwig Soumagne ist einer der bedeutendsten Mundartdichter der Gegenwart, Mitglied des PEN, ausgezeichnet durch in- und ausländische Literatur- und Kulturpreise. Nach ihm ist, schon zu Lebzeiten,
das „Internationale Mundart-Archiv-Ludwig Soumagne“ in Zons benannt … Sein bekanntester Text ‚Litanei’ ist über zweihundert mal in andere Mundarten und Sprachen übertragen.“
Lieber Ludwig, du hast die Menschen mit deinem Denken, deinen Gedanken, deinen Texten reich beschenkt – dafür ein letzter Dank.
* Manfred Brückner war viele Jahre Regisseur im WDR-Hörfunk. Der inzwischen in Pension Lebende hat mit Soumagne fast alle Hörspiele inszeniert.

Quelle:
www.wdr.de/wdrprint/archiv/2003/12/pers.html



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Im September 2008 wurde zu Ehren Ludwig Soumagne in seiner Heimtstadt Neuss-Norf der "Ludwig Soumagne Weg" eröffnet auf dem auf 17 Tafeln Gedichte von ihm angebracht sind.


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